07.04.2022

Bericht: Veranstaltung: Glaube und Politik - wie passt das zusammen?

In seiner kürzlich erschienen Info-Broschüre weist der EAK Ludwigsburg auf seine „Brückenfunktion zwischen Partei und Kirche“ hin. Außerdem wolle man Christen zum politischen Engagement motivieren. Zum scheinbaren Spannungsfeld zwischen Glauben und Politik veranstaltete der EAK Ludwigsburg am 7. April 2022 in Ludwigsburg einen Vortragsabend mit Dr. Christian Herrmann, selbst CDU-Mitglied und Vorsitzender des EAK im Kreisverband Böblingen. 

Der studierte Theologe leitet die Abteilung „Historische Sammlungen“ bei der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart und ist in dieser Rolle „Herr“ über mehr als 21.000 Bibeln.
 
Der Referent begann seinen Vortrag, mit der Betrachtung einiger Bibelverse. Hierbei betonte er die verändernde Botschaft des Evangeliums: „Die Bibel verändert Menschen, nicht andersherum. Wenn durch die Bibel veränderte Menschen handeln, gestalten sie die Welt. Das ist eine politische Angelegenheit.“ Im weiteren Verlauf tauchte Herrmann in die Geschichte ein, berichtete beispielsweise von der „Politisierung von Theologie und Kirche“ durch die 68er-Bewegung, die jeden biblischen Satz als politischen Satz verstand. Immer wieder band er historische Funde aus der Sammlung der Württembergischen Landesbibliothek in seinen Vortrag ein, z.B. eine sog. „Protestantenbibel“ aus dem Jahr 1872, die lediglich das Neue Testament enthielt und in der die in den Augen der Herausgeber „nützlichen“ Bibelteile besonders hervorgehoben wurden, andere Stellen wurde dadurch die Relevanz abgesprochen.
 
Die Zuhörer erfuhren auch, dass christliche Parteien häufig mit dem Anliegen gegründet wurden, um für den Schutz und die Freiheit von Christen einzutreten. Schließlich schloss sich Herrmann dem Theologen Bonhoeffer an, der Politik als „Bereich des Vorletzten“ bezeichnet hatte. „Trotzdem“, so Herrmann weiter, „kann auf eine an christlichen Werten orientierte Politik nicht verzichtet werden. Denn: Politik braucht einen Kompass!“
 
Im Fazit seines Vortrags sprach sich Dr. Christian Herrmann für Christen, die sich politisch engagieren, aus. Diese hätten einen anderen Blick auf die Welt, eine weitergehende Perspektive. Auch zu Politik, die sich an christlichen Grundsätzen orientiere, fand der Referent ein klares „Ja“: „Christliche Politik hat sich in besonderem Maße für die Freiheit und den Schutz von Christen einzusetzen“, benannte er sogleich eine konkrete Aufgabe. Einem „politischen Christentum“ erteilte der Referent jedoch eine klare Absage: „Wenn der christliche Glaube politisch aufgeladen wird, wird das „Vorletzte“ mit dem „Letzten“ vermischt. Die Folge sind Moralismus und Polarisierung.“
 
Dem Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an, bei der sich die Zuhörer zum Teil besorgt über die Vorhaben der auf Bundesebene regierenden Parteien zeigte. Mit der Legalisierung von Leihmutterschaft, der Einführung einer sog. „Verantwortungsgemeinschaft“ sowie der Forcierung der Abtreibungspolitik werde ein radikaler Richtungswechsel vollzogen, der zu Kosten der Schwachen in der Gesellschaft gehe. Hier sah nicht nur Jens Wätjen, Vorsitzender des EAK Ludwigsburg, die CDU in der Pflicht, mit lauter Stimme dagegenzuhalten. „Als EAK möchten wir in Partei und Gesellschaft hineinwirken und für eine Politik, die sich an christlichen Werten orientiert, werben.“
 
09.04.2022, David Werner

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